Das Problem: Körperlich fit, kognitiv eingeschränkt
Viele Demenzkranke sind körperlich noch relativ gut beieinander — können sich waschen, essen, laufen. Das NBA-Begutachtungssystem erfasst aber 6 Lebensbereiche, darunter explizit auch kognitive Fähigkeiten (Modul 2).
Trotzdem werden Demenzkranke häufig zu niedrig eingestuft, weil:
- Kognitive Einschränkungen am Gutachtertag nicht sichtbar sind
- Betroffene ihre Defizite kompensieren
- Pflegepersonen den "guten Tag" zeigen
Das NBA-System und Demenz
Im Neuen Begutachtungsassessment (NBA) zählt Modul 2 "Kognitive und kommunikative Fähigkeiten" mit 15% Gewichtung:
- Örtliche und zeitliche Orientierung
- Erkennen von Personen
- Steuerung von Handlungen
- Gedächtnis
- Umgang mit alltäglichen Anforderungen
Typische Demenz-Einschränkungen dokumentieren
Für die Begutachtung wichtig:
- Wacht nachts auf, ist desorientiert
- Kann Herd nicht sicher bedienen
- Vergisst Medikamente zu nehmen
- Verlässt die Wohnung und findet nicht zurück
- Kann Termine nicht einhalten
Modul 3: Verhaltensweisen
Auch Modul 3 "Verhaltensweisen und psychische Problemlagen" ist bei Demenz relevant:
- Aggressivität
- Angst und Panikattacken
- Antriebslosigkeit
- Schlafstörungen
Pflegetagebuch speziell für Demenz
Notiere täglich:
- 1.Wie oft ist die Person desorientiert?
- 2.Wann braucht sie Hilfe (nicht nur körperliche)?
- 3.Sicherheitsrisiken (Herd vergessen, Stürze)
- 4.Nachtunruhe (Uhrzeit, Dauer)
Tipps für die Begutachtung
- Gutachter über schlechte Tage informieren
- Zeige konkrete Beispiele von Hilfebedarf
- Lass die Pflegeperson sprechen, nicht nur den Betroffenen
- Reiche ärztliche Diagnosen und Berichte ein
Welcher Pflegegrad ist bei Demenz realistisch?
- Frühe Demenz: oft PG 2 oder 3
- Mittlere Demenz: PG 3 oder 4
- Schwere Demenz: PG 4 oder 5
Bei PG 5 ("schwerste Beeinträchtigungen mit besonderen Anforderungen") ist Demenz mit ausgeprägten Verhaltensauffälligkeiten der häufigste Grund.