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Sturzprophylaxe: 14 Maßnahmen, die in 1 Tag umsetzbar sind

Jeder 3. Senior über 65 stürzt einmal im Jahr. Mit der richtigen Wohnung sinkt das Risiko um 50%.

Stand: 5. August 2026 · gegen BMG-Quellen geprüftsturzprophylaxesicherheitwohnenseniorenprävention

Kurzantwort

Stürze sind die häufigste Ursache dafür, dass ältere Menschen dauerhaft pflegebedürftig werden. Die wirksamsten Maßnahmen kosten wenig: Stolperfallen entfernen, Beleuchtung verbessern, Haltegriffe montieren, Kraft und Balance trainieren. Größere Umbauten bezuschusst die Pflegekasse mit bis zu 4.180 EUR je Maßnahme (§ 40 Abs. 4 SGB XI), kleine Hilfsmittel laufen über das 42-EUR-Budget oder die Krankenkasse.

Warum Sturzprophylaxe so viel bewirkt

Ein Sturz ist selten nur ein Sturz. Die typische Kette: Oberschenkelhalsbruch, Operation, Krankenhaus, Reha — und danach ist die Selbständigkeit oft dauerhaft eingeschränkt. Hinzu kommt die Sturzangst: Wer einmal gestürzt ist, bewegt sich weniger, verliert dadurch Kraft und Balance und stürzt umso leichter erneut.

Genau diesen Kreislauf durchbricht Prophylaxe. Und sie ist billig im Vergleich zu allem, was danach kommt.

Die 14 wirksamsten Maßnahmen

In der ganzen Wohnung

1. Teppiche sichern oder entfernen. Lose Läufer und aufgestellte Teppichkanten sind die häufigste Stolperfalle. Wenn der Teppich bleiben soll: Antirutschmatte darunter, Kanten festkleben.

2. Kabel wegräumen. Verlängerungskabel an der Wand entlangführen oder in Kabelkanälen verlegen — nie quer durch den Raum.

3. Türschwellen beseitigen. Kleine Rampen aus dem Sanitätshaus oder Baumarkt gleichen sie aus.

4. Laufwege freiräumen. Zeitungsstapel, Blumentöpfe, Hocker und Körbe gehören nicht in den Weg zwischen Bett, Bad und Küche.

5. Beleuchtung verstärken. Ältere Augen brauchen deutlich mehr Licht. Zusätzliche Lampen in Flur, Treppenhaus und Bad, blendfreie Leuchtmittel.

6. Nachtlicht mit Bewegungsmelder. Der Weg vom Bett zur Toilette ist die gefährlichste Strecke der Nacht. Steckdosenlichter mit Bewegungsmelder kosten wenige Euro.

Im Bad

7. Haltegriffe neben WC und in der Dusche. Fest verschraubt, nicht mit Saugnapf — Saugnapfgriffe lösen sich unter Last.

8. Bodengleiche Dusche statt Badewanne. Die wirksamste bauliche Maßnahme überhaupt. Zuschuss bis 4.180 EUR.

9. Duschhocker und rutschfeste Matte. Sitzend duschen ist deutlich sicherer als stehend.

10. Toilettensitzerhöhung. Aufstehen von einer niedrigen Toilette ist eine der häufigsten Sturzsituationen.

Im Schlafzimmer und in der Küche

11. Betthöhe anpassen. Die Füße sollen im Sitzen flach auf dem Boden stehen. Ein Pflegebett ist höhenverstellbar und wird von der Kranken- oder Pflegekasse gestellt.

12. Alltagsdinge in Greifhöhe. Was täglich gebraucht wird, gehört zwischen Hüft- und Schulterhöhe. Kein Stuhl als Ersatzleiter.

Am Körper

13. Festes Schuhwerk mit rutschfester Sohle — auch in der Wohnung. Offene Pantoffeln und Socken auf Laminat sind eine häufige Sturzursache.

14. Kraft und Balance trainieren. Der einzige Punkt, der die Sturzursache selbst angeht statt nur die Umgebung. Wirksam sind einfache Übungen: aus dem Stuhl aufstehen ohne Hände, auf einem Bein stehen (an der Anrichte festhalten), Zehenspitzen- und Fersenstand. Wenige Minuten täglich reichen.

Die Ursachen, die im Körper liegen

Wohnungsanpassung allein genügt nicht. Prüfen Sie ärztlich abklären zu lassen:

UrsacheWas hilft
MedikamenteBlutdrucksenker, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Antidepressiva erhöhen das Sturzrisiko. Jährliche Überprüfung der gesamten Medikation beim Hausarzt.
SehschwächeAugenarzt, aktuelle Brille. Gleitsichtbrillen erschweren das Treppensteigen.
Schwindel und BlutdruckabfallHäufig beim Aufstehen. Ärztlich abklären, langsam aufstehen.
MuskelschwächePhysiotherapie auf Verordnung, Reha-Sport.
FußproblemePodologie, orthopädische Einlagen.
InkontinenzNächtliche Eile zur Toilette ist ein starker Risikofaktor — Toilettenstuhl neben dem Bett kann helfen.

Die Medikamentenprüfung ist der am meisten unterschätzte Hebel. Fragen Sie den Hausarzt gezielt: „Welches dieser Medikamente erhöht das Sturzrisiko, und lässt es sich reduzieren?"

Was die Kassen zahlen

MaßnahmeKostenträgerBetrag
Bodengleiche Dusche, Rampe, TürverbreiterungPflegekasse, § 40 Abs. 4 SGB XIbis 4.180 EUR je Maßnahme
Haltegriffe, Toilettensitzerhöhung (fest montiert)Pflegekasse, § 40 Abs. 4im selben Zuschuss
Rollator, Gehstock, DuschhockerKrankenkasse, § 33 SGB Värztliche Verordnung
Pflegebett, BettgitterPflegekasse, § 40 Abs. 1leihweise
HausnotrufPflegekasse, § 40 Abs. 127 EUR/Monat
Rutschfeste Matten, BettschutzPflegekasse, § 40 Abs. 2aus 42 EUR/Monat

⚠️ Bei baulichen Maßnahmen gilt: erst beantragen, dann bauen. Rückwirkend zahlt die Pflegekasse nicht.

Kleine Hilfsmittel wie Haltegriffe und Duschhocker sind so günstig, dass sich der Antragsweg manchmal nicht lohnt — warten Sie darauf nicht, wenn akute Sturzgefahr besteht.

Der Wohnraum-Check

Kostenlose Wohnberatung gibt es bei vielen Kommunen, Pflegestützpunkten und Wohlfahrtsverbänden. Eine Fachkraft kommt in die Wohnung und benennt konkret, was zu ändern ist.

Das lohnt sich, weil Bewohner die eigenen Stolperfallen nach Jahren nicht mehr sehen. Fragen Sie beim Pflegestützpunkt nach dem regionalen Angebot — die Beratung ist in der Regel kostenlos.

Auch der halbjährliche Beratungsbesuch nach § 37 Abs. 3 SGB XI ist eine gute Gelegenheit: Bitten Sie die Beratungsperson ausdrücklich um eine Einschätzung der Sturzrisiken.

Häufige Fragen

Welche Maßnahme bringt am meisten?

Ausreichende Beleuchtung, das Entfernen loser Teppiche und ein Nachtlicht auf dem Weg zur Toilette — alle drei kosten fast nichts. Baulich ist die bodengleiche Dusche der größte Gewinn.

Zahlt die Pflegekasse Haltegriffe?

Ja, fest montierte Haltegriffe fallen unter die wohnumfeldverbessernden Maßnahmen nach § 40 Abs. 4 SGB XI mit bis zu 4.180 EUR je Maßnahme. Der Antrag muss vor der Montage gestellt werden.

Bekomme ich den Zuschuss auch mit Pflegegrad 1?

Ja, in voller Höhe. Der Wohnumfeld-Zuschuss ist nicht nach Pflegegrad gestaffelt.

Können Medikamente Stürze verursachen?

Ja, das ist ein häufig unterschätzter Faktor. Besonders Blutdrucksenker, Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie Antidepressiva erhöhen das Risiko. Lassen Sie die gesamte Medikation jährlich überprüfen.

Lohnt sich ein Hausnotruf zur Sturzprophylaxe?

Er verhindert keinen Sturz, verkürzt aber die Zeit bis zur Hilfe erheblich. Gerade das lange Liegen nach einem Sturz verschlechtert die Prognose deutlich. Die Pflegekasse zahlt ab Pflegegrad 1 monatlich 27 EUR.

Rechtsgrundlage

  • § 40 Abs. 4 SGB XI — wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, bis 4.180 EUR je Maßnahme
  • § 40 Abs. 1 SGB XI — technische Pflegehilfsmittel, darunter Pflegebett und Hausnotruf
  • § 40 Abs. 2 SGB XI — zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel, 42 EUR monatlich
  • § 33 SGB V — Hilfsmittel der Krankenversicherung, etwa Rollator und Duschhocker
  • § 37 Abs. 3 SGB XI — Beratungsbesuch, auch zur Einschätzung von Sturzrisiken

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